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Fotografie im Überfluss - Masse statt Klasse?

  • Autorenbild: Sina von Pixel Natur
    Sina von Pixel Natur
  • 9. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. März

Es gibt ein Thema, das mich schon ziemlich lange beschäftigt. Als ich den Schritt in die Fotografie wagte, war nicht nur mein Ziel mich selbst daran zu erfreuen, weil ich Spaß am Fotografieren hatte, sondern auch meine Kunden ins Geschehen mitzunehmen. Ein Shooting ist so viel mehr, als nur eine Runde Bilder schießen. So die Theorie.


Ganz zu Anfang, bevor es überhaupt zu einem Shooting kommt, ist die Wahl der Fotografin/des Fotografen ausschlaggebend. Da momentan ein absolutes Überangebot an Tierfotograf*innen besteht, ist es fast unmöglich einen Dienstleister ohne weiteres zu finden. Es gibt längst keinen übersichtlichen Vergleich mehr, welche*r Fotograf*in der/die Richtige ist. Kunden werden dadurch enorm unsicher. Unter den Fotograf*innen sorgt dies für großen Frust. Diebstahl von Ideen oder das permanente Konkurrenzdenken, nimmt Einzug. Mangelhafte Qualität, Dumping Preise und Existenzängste werden zum Alltag in der Fotografie Szene.


Dies ist nur ein kleiner Bruchteil einer kritischen Entwicklung, wie ich finde. Es werden massenhaft Bilder produziert. In den Sozialen Medien geht es nur noch um "schneller, höher, weiter". Jede Bildidee muss noch besser werden, als die der Konkurrenz. Ohne Requisiten oder aufwändigen Stylings geht es kaum mehr und Locations sind längst nicht mehr ausreichend, wenn diese nicht außergewöhnlich sind. Natürliche Bilder verlieren ihre Bedeutung, denn schließlich muss es extravagant sein. Worte wie "individuell" oder "einzigartig" werden zum Synonym für Masse. Bilder werden nur noch schneller verarbeitet und als Massenprodukt durch Photoshop gejagt. Oder noch schlimmer: an externe Anbieter zur Bildbearbeitung ausgelagert. Was hat das noch mit Kunst zu tun?

Hierbei spielt der Bildstil eine wichtige Rolle und somit die Bildbearbeitung. Der Stil muss sich unbedingt von der Masse abheben. Bilder werden teilweise vollständig verändert, als ursprünglich aufgenommen. Um spektakuläre Bilder zu erhalten, wird die Retusche dermaßen ausgereizt, dass manchmal nicht einmal mehr der Hintergrund echt ist. Schneebilder, obwohl es keinen Schnee gab, finde ich beispielsweise einfach unpassend. Natürlich ist an der Bildbearbeitung nicht alles schlecht. Ich möchte diese keinesfalls verteufeln! Es geht ja bei der Dienstleistung "Fotografie" genau darum, die Bilder anhand von Technik und Bildbearbeitung, aufs Beste zu optimieren. Meines Erachtens, sollten die Bilder jedoch mindestens mit der Realität übereinstimmen.




Ein RAW- Bild ist das Bild, das aus der Kamera raus kommt. Es muss noch "entwickelt" werden. Es ist identisch mit dem, wie es früher war, als man Bilder in der Dunkelkammer herstellte.
Grundoptimiert ist das Bild, wenn es bereits mit den Grundlagen wie Helligkeit .. etc. bearbeitet wurde. Ein Bild ist fertig, wenn es bearbeitet wurde und seinen finalen Bildstil erhalten hat.

Durch diese schnelle Produktion und dem kurzweiligen Konsum, verlieren Bilder ihre ursprüngliche Intention. Ich erinnere mich noch an Zeiten, da habe ich mich wochenlang an einem einzigen Bild erfreut. Ich konnte es immer wieder betrachten und es weckte zuverlässig haltbare Gefühlregungen. Heutzutage lösen Bilder nur noch für wenige Sekunden Emotionen aus und erzeugen das Verlangen nach noch mehr Konsum. Es ist nicht neu, dass intensive Social Media Nutzung, Suchtstrukturen hervorrufen kann. Das Belohnungssystem wird mit Dopamin gefüttert und somit eine Erwartungshaltung erzeugt. Erwartungen nach besseren, atemberaubenden Bildern. Selbst dann, wenn gerade ein atemberaubendes Bild angeschaut wurde. So hat sich die Fotografie längst zu einem Massenprodukt entwickelt. Die damit einhergehenden negativen Entwicklungen, wirken sich auf viele Bereiche aus. Am Ende leidet die Qualität darunter, die sich die Kunden möglicherweise wünschen. Der Standard wird langfristig eine Norm. Ohne Individualität, Anerkennung oder Wert. Ein massenproduziertes Bild, bleibt einfach nur ein Bild von vielen. Ihm fehlt ein durchdachtes Konzept, mit emotional geladenen Fotos. Die in ihren Details wahrgenommen werden sollten und damit einen Wert darstellen können. Der Trend geht von einem wertvollen Foto, zu einem schnellen, oberflächlichen Bild.


Meine Faszination für Bilder, entstand zu Zeiten in denen eine Aufnahme eines Fotografen etwas besonderes war. Für mich persönlich ist die Massenproduktion nicht der Weg. Selbst dann, wenn es bedeutet, auf dem übersättigten Markt als professionelle Fotografin nicht mithalten zu können. Fotografieren bedeutet für mich, dass jedes Shooting einzigartig ist. Es bringt unerwartete, spontane Bilder hervor. Natürlich folgen die Shootings einer vorab geplanten Struktur und Komposition, was der Grundlage für ein gutes Foto entspricht. Aber der Schnappschuss selbst, entsteht aus dem Moment heraus. Es geht darum, diese eine Sekunde, als Ewigkeit darzustellen. Daher kostet ein Shooting inklusive Vor- und Nachbereitung enorm viel Zeit. Aber so, kann ein Wert erhalten werden. Denn dafür gebe ich meine Zeit als Fotografin. Und die Zeit, ist unsere kostbarste Währung, die wir besitzen und anderen schenken können. Mir ist es wichtig, dass meine Bilder nicht nur Produkte sind, sondern auch Erinnerungen und Werte überbringen.


Fotograf*innen werden mittlerweile austauschbar. Bilder werden zunehmend als Werkzeug genutzt, die Kunstform ist dabei unwichtig. Die Details, was Bilder eigentlich ausmacht, bleiben unverstanden. Die Menschen werden genügsamer, möchten kein Geld investieren, wenn man doch selbst mit einem guten Handy Bilder schießen kann. Aus einer Umfrage, die ich neulich auf Social Media durchführte, ging hervor, dass die meisten Bilder ausschließlich digital genutzt werden.


Wie erkläre ich mir diesen Wandel? Es ist zum einen die Niedrigschwelligkeit von digitalem Material. Mit Beginn der Smartphone Area, bei der eine Kamera fortan serienmäßig wurde und WhatsApp die SMS ersetzte, veränderte sich die Welt der Fotografie. Diese wurde damit zugänglicher und alltäglicher für Jedermann. High End Kameras, die automatisiert die richtigen Lichteinstellungen oder den Autofokus einstellen, machen das Fotografieren leichter denn je. Der neue Berufswunsch "Influencer" löste viele Traumberufe ab. Die digitale Jagd nach Likes oder Views, schuf eine neue soziale Komponente nach Anerkennung. Somit stieg auch die Zahl der Hobbyfotografen. Der Druck regelmäßig neue Inhalte zu liefern, führte zu einer Entwertung der Qualität, zugunsten von Quantität. Bilder sind oft nur "Schnappschüsse" und haben nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher. Damals waren Fotos nur echt, wenn man sie entwickeln lassen konnte.

So ist die Entwicklung der Fotografie doch rasant voran gegangen. Trotz der Entfremdung oder der Massenproduktion von Bildern, bleibt die Fotografie trotzdem eine Möglichkeit, um Erinnerungen zu konservieren. Die Bildbearbeitung kann dabei authentisch und sinnvoll unterstützen. Social Media macht es uns nicht gerade leicht. Aber führt uns vielleicht manchmal vor Augen, wie wichtig doch die Realität ist, wenn man erschreckend feststellen muss, dass die Bildschirmzeit auf dem Smartphone mal wieder viele Stunden beansprucht hat. Umso wichtiger, dass wir uns im Alltag regelmäßig besinnen, was ein Bild überhaupt bedeuten kann. Wie ist es bei euch? Habt ihr auch einen Wandel in der Fotografie oder bei dem Konsum von Bildern bemerkt? Wie wichtig sind euch Fotos? Vielleicht hilft es, wenn ihr mal überlegt, warum ihr manchmal ein Foto Alltag aufnehmen wollt. Was ist eure Intention, genau dieses eine Bild aufzunehmen? Lasst es mich wissen!



 
 
 

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